Früherkennung / Frühförderung

Früherkennung / Frühförderung

Training der Sinneswahrnehmung im Vorschulalter (ab 4 Jahren)

Legasthenie / Dyskalkulie ist eine im Menschen vorhandene, genbedingte, durch Vererbung weitergegebene Veranlagung. Durch die Entwicklungsprozesse im Gehirn werden unsere Sinneswahrnehmungen beeinflusst, d. h. die  Erbinformationen, welche differente Sinnes-wahrnehmungen verursachen, machen legasthenen Menschen Probleme beim Erlernen des Schreibens, Lesens und/oder Rechnens.

Anders ausgedrückt …

die besondere Art der Sinneswahrnehmung führt dazu, das es bei der Beschäftigung mit Symbolen, wie es Buchstaben und Zahlen sind, zu Komplikationen in der Verarbeitung kommt.

Welche Sinneswahrnehmungen (auch Funktionen oder Teilleistungen genannt) können betroffen sein?

  • Optik

Optisches Differenzieren (- Gleiches und Ähnliches als solches zu erkennen, also beispielsweise ähnliche Buchstaben (b und d) unterscheiden können)

Optisches Gedächtnis (- sich Inhalte, die man gesehen hat, dauerhaft merken zu können (z. B. einzelne Buchstaben und dann Wörter)

Optische Serialität (- sich optische Eindrücke merken können – Reihenfolge der Buchstaben in einem Wort)

  • Akustik

Akustische Differenzierung (- gleiche oder ähnliche Laute, oder Wörter, sollten vom Kind als solche gehört werden)

Akustisches Gedächtnis (- sich Inhalte, die man gehört hat, dauerhaft merken können, z. B. ein Gedicht)

Akustische Serialität (- hören zu können, in welcher Reihenfolge die Laute in einem Wort oder die Wörter ein einem Satz gesprochen werden)

  • Raumwahrnehmung

Raumorientierung (- sich bei der Raumeinteilung, beispielsweise im Heft, zu recht finden. Das Kind sollte wissen, dass man links oben im Heft zu schreiben beginnt, oder abschätzen können, wie viele Wörter noch in die Zeile passen)

Körperschema und Handgeschick (- Unterscheidungen wie die zwischen rechts und links sicher treffen können, sich am eigenen Körper orientieren zu können und seine Motorik entsprechend einzusetzen)

Ist auch nur ein Gebiet der Sinneswahrnehmungen betroffen – kann es schon zu Schwierigkeiten kommen.

Sollte ein Kind im Vorschulalter bereits Auffälligkeiten zeigen, so kann man selbstverständlich keine Lese-Rechtschreibschwäche oder Legasthenie/Dyskalkulie feststellen, da das Kind in diesem Alter noch nicht mit Lesen, Schreiben u. Rechnen konfrontiert ist.

Es gibt jedoch Möglichkeiten, die die Ausprägung der Sinneswahrnehmungen
im Vorschulalter zeigen.

Wichtig ist hier noch zu erwähnen: Nicht alle Kinder die im Vorschulalter Defizite in den Sinnenswahrnehmungsgebieten aufweisen, haben später in der Schule und beim Erlernen des Schreibens, Lesens oder Rechnens Probleme!

Sollte man deshalb auf eine frühe Förderung verzichten? Abwarten ?

Anzeichen für mögliche differente Sinneswahrnehmungen im Vorschulalter
(um hier nur Einige zu nennen):

– Keine oder eine verkürzte Krabbelphase
– verspäteter Gehbeginn, schlechte Körperkoordination
– fällt über Dinge, die nicht da sind
– das Denken findet schneller als das Handeln statt
– haben auffällig „gute“ und „schlechte“ Tage
– Ungeschicklichkeit mit Messer, Gabel, Schere, beim Maschenbinden, mit Knöpfen usw.
– kann oben/unten oder rechts/links nicht unterscheiden
– hat seine „eigene Ordnung“
– manchmal überhastet, manchmal extrem langsam
– verspätetes Sprechen (lispelt, stottert, stammelt)
– wenig Interesse an Memory- oder Puzzelspiele
– Schwierigkeiten bei Fingerspielen
– genießt das Vorlesen, liebt es, dazu Bilder anzuschauen
– wenig Interesse an Kinderreimen und Kinderliedern
– eine hohe Merkfähigkeit
– hohe Kreativität

Das Legasthenie/Dyskalkulie eine Sache der Anlage ist und deshalb eine bleibende Eigenschaft ist, das ist die eine Seite. Was das Umfeld des Kindes daraus macht, steht
aber auf einem anderen Blatt.

Sicher ist jedenfalls, dass diese Eigenschaft sehr belastende Folgen haben kann, wenn
das Problem nicht erkannt wird und keine Förderung stattfindet.

Frühe Hilfen sind am wirksamsten und helfen Ihrem Kind am besten.